Mord in der Rue Dumas by Longworth Mary L

Mord in der Rue Dumas by Longworth Mary L

Autor:Longworth, Mary L.
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: Aufbau Digital
veröffentlicht: 2013-04-14T16:00:00+00:00


23. Kapitel

Lohn für geleistete Dienste

Verlaque läutete zum zweiten Mal am Haus Nr. 17. Michel Gasnal meldete sich mit einem matten »Ja?«, und Verlaque nannte seinen Namen. Der Türöffner summte, und er stieg die Stufen zum zweiten Stock hinauf, wo Michel Gasnal bereits in der Tür stand. »Sie schon wieder«, brummte er.

»Tut mir leid, aber ich muss Ihnen noch ein paar Fragen stellen, bevor Ihre Eltern kommen.«

Schweigend gab Gasnal die Tür frei, und der Richter trat ein. Diesmal schaute er sich genauer um, entdeckte die teure Stereoanlage, die Paulik bereits aufgefallen war, und neben einem Sessel ein neues Paar Schweizer Lederschuhe. Michel Gasnal ließ sich auf die Couch sinken, zu erschöpft, um sich dafür zu interessieren, was der Richter jetzt von ihm wollte. Über dem Kopf des jungen Mannes erblickte Verlaque das gerahmte Plakat eines Stilllebens von Cézanne. Audrey Zacharie hatte Kunstgeschichte studiert, fiel ihm ein. Offenbar wollte sie diese dunkle Behausung etwas anheimelnder machen.

»Der Mann am Tresen der Zola-Bar hat bestätigt, dass Sie am Freitagabend dort waren«, sagte Verlaque.

»Na bitte«, kam es von Gasnal.

»Er hat mir aber auch erzählt, dass Sie mit Mlle. Zacharie einen heftigen Streit hatten. Sie haben ihr vorgeworfen, einen Geliebten zu haben, und sie bedroht.«

Gasnal schloss die Augen und atmete heftig. »Das heißt doch nicht, dass ich sie überfahren habe.«

»Das weiß ich, Michel, aber ich muss alles über Audreys letzte Tage in Erfahrung bringen. Verstehen Sie?«

Der junge Mann beugte sich vor und fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. »Sie haben recht. Entschuldigen Sie bitte.« Langsam setzte er sich auf wie ein Schüler, den man gerade ermahnt hatte, besser aufzupassen.

Jetzt ließ sich Verlaque betont lässig in einem Sessel nieder. »Warum haben Sie Audrey vorgeworfen, dass sie einen Freund hat, Michel?«

»Weil sie in der letzten Zeit noch nervöser und überspannter war als sonst«, antwortete Gasnal mit einem Seufzer. »Sie wurde abends angerufen, rannte sofort los und blieb stundenlang weg. Ich wusste nicht, wer es war, bis sie diese wirklich teuren Sachen geschenkt bekam oder selbst kaufte. Die Stereoanlage ist Ihnen sicher schon aufgefallen ... Sie sagte, das sei ein Schnäppchen gewesen. Haben Sie jemals bei Bang & Olufsen Schnäppchen gesehen? Und dann diese Schuhe«, fuhr er fort, hob einen hoch und ließ ihn wieder fallen. »Die müssen mindestens 200 Euro gekostet haben.« Verlaque schaute nach der Marke und wusste sofort, dass es nicht weniger als 400 Euro waren.

»Mir hat sie erzählt, eine Großtante sei gestorben und habe ihr Geld vererbt. Aber das habe ich nicht geglaubt. Von irgendwelchen Tanten oder anderen Verwandten war noch nie die Rede gewesen. Als sie dann auch noch erklärte, sie wolle diese Wohnung kaufen, wurde mir langsam mulmig. Ich habe angefangen, zwei und zwei zusammenzuzählen, verstehen Sie? Ihren Chef, diesen Moutte, hat sie vergöttert. Er machte nie was falsch, war einfach brillant und hatte so einen großartigen Geschmack, bla, bla. Vor ein paar Monaten hat sie mir gesagt, dass er ihr an die Wäsche wollte, sie sich aber gewehrt hat. Wir haben darüber gelacht, dann sind wir in die Zola-Bar gegangen und haben ein paar Bier getrunken.



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